Veröffentlicht am März 11, 2024

Der wahre Wert von Denkspielen und Agility liegt nicht in perfektem Gehorsam, sondern darin, die angeborene Problemlösungskompetenz Ihres Tieres zu wecken und zu fördern.

  • Kombinieren Sie gezielt körperliche Herausforderungen (Hobby-Agility) mit geistiger Anregung (Denkspiele), um Körperbewusstsein und kognitive Flexibilität gleichzeitig zu schulen.
  • Der Schlüssel zum Erfolg ist die Vermeidung von Frustration. Passen Sie den Schwierigkeitsgrad dynamisch an, um Ihr Tier in einem motivierenden „Flow-Zustand“ zu halten.

Empfehlung: Beginnen Sie damit, die tägliche Fütterung aus dem Napf in ein interaktives Such- oder Schnüffelspiel zu verwandeln. Es ist der einfachste Weg, um Denk-Sport zur Routine zu machen.

Ihr Hund kann „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ im Schlaf, aber starrt Sie nach fünf Minuten trotzdem gelangweilt an? Oder Ihre Katze ignoriert das teure Spielzeug und jagt lieber Lichtreflexen hinterher? Viele Tierhalter kennen dieses Gefühl der Ratlosigkeit. Man geht spazieren, wirft Bälle und kauft das neueste Spielzeug, doch die tiefe, geistige Auslastung scheint unerreichbar. Der Alltag ist oft geprägt von Routine, die wenig Raum für echte kognitive Herausforderungen lässt. Die üblichen Beschäftigungen kratzen oft nur an der Oberfläche dessen, was Ihr Tier wirklich braucht: mentale Stimulation und das Gefühl, eine Aufgabe selbstständig gemeistert zu haben.

Was wäre, wenn der Schlüssel nicht in *mehr* Bewegung, sondern in gezielter Kopfarbeit liegt? Was, wenn der Fokus nicht auf Leistung und Perfektion, sondern auf dem Prozess des gemeinsamen Entdeckens und Lösens liegt? Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Sicht auf Agility als reinen Leistungssport und auf Intelligenzspiele als bloße Tricks. Wir betrachten sie als ein mächtiges Werkzeug für ein gemeinsames Gehirn-Workout, das weit über die reine Beschäftigung hinausgeht. Es geht nicht darum, einen Befehl auszuführen, sondern darum, ein Problem zu lösen. Es geht um die Stärkung der Selbstwirksamkeit – dem Glauben des Tieres an die eigenen Fähigkeiten.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie Denk- und Bewegungsspiele strategisch einsetzen, um die kognitive Flexibilität, das Körperbewusstsein und das Selbstvertrauen Ihres tierischen Partners gezielt zu fördern. Von der Gestaltung eines sicheren Hobby-Parcours im Garten über die Auswahl des ersten perfekten Denkspiels bis hin zu genialen 0-Euro-Ideen für den Alltag. Entdecken Sie, wie Sie die Motivation hochhalten, Frustration vermeiden und die perfekte Balance zwischen Action und Entspannung finden – für eine tiefere, verständnisvollere und freudvollere Beziehung zu Ihrem Tier.

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Dieser Leitfaden führt Sie durch die wichtigsten Aspekte des Denk-Sports für Ihr Tier. Der folgende Inhalt gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir gemeinsam erkunden werden, um die geistige Fitness und das Wohlbefinden Ihres Begleiters zu steigern.

Agility für Alle: Wie Sie einen sicheren und spaßigen Hindernisparcours im eigenen Garten aufbauen

Vergessen Sie die Vorstellung von hochgezüchteten Wettkampf-Athleten, die in atemberaubender Geschwindigkeit durch einen standardisierten Parcours jagen. Hobby-Agility hat ein anderes Ziel: Es geht um gemeinsame Freude an der Bewegung, die Verbesserung des Körperbewusstseins (Propriozeption) und die Stärkung der Bindung. Ein einfacher Parcours im eigenen Garten muss weder teuer noch kompliziert sein. Es geht darum, Ihr Tier dazu anzuregen, seinen Körper bewusst einzusetzen, Hindernisse zu überdenken und Ihnen zu vertrauen. Anstatt eines Slaloms aus Profi-Stangen können stabile Blumentöpfe dienen. Anstelle einer Wettkampf-Wippe genügt ein breites, rutschfestes Brett, das nur wenige Zentimeter über dem Boden balanciert wird.

Der Fokus liegt auf Sicherheit und positiver Erfahrung. Für junge Hunde im Wachstum oder Senioren sind Sprünge tabu. Hier geht es um Bodengeräte: Tunnel (ein Kinderspieltunnel genügt), Balance-Übungen auf verschiedenen Untergründen (eine alte Matratze, ein Stück Kunstrasen) oder das bewusste Umrunden von Objekten. Der Deutsche Verband der Gebrauchshundsportvereine (DVG) fördert diesen Ansatz sogar aktiv. Viele Vereine bieten sogenannte „Plauschgruppen“ oder Fun-Agility-Kurse an, die explizit auf Leistungsdruck verzichten und sich auf den Spaß konzentrieren. Schon auf einem kleinen Rasenstück können Sie kreative Aufgaben stellen, die Ihr Tier zum Nachdenken anregen.

Hund balanciert auf selbstgebautem Agility-Hindernis aus Holzbalken im heimischen Garten

Das Wichtigste ist, das Training an die individuellen Fähigkeiten und die körperliche Verfassung Ihres Tieres anzupassen. Beobachten Sie genau: Ist Ihr Hund zögerlich? Dann machen Sie die Übung einfacher. Zeigt er Begeisterung? Dann können Sie eine kleine Variation einbauen. So wird der Garten zum Abenteuerspielplatz, der nicht nur den Körper, sondern vor allem den Kopf fordert.

Das erste Denkspiel: Welches Intelligenzspielzeug für Ihr Tier das richtige ist

Der Markt für Intelligenzspielzeug ist riesig und kann schnell überfordern. Statt wahllos ein Produkt zu kaufen, ist es entscheidend, das Spiel auf den Charakter und die Fähigkeiten Ihres Tieres abzustimmen. Es geht nicht darum, das komplexeste Puzzle zu finden, sondern dasjenige, das Ihrem Tier ein erstes, schnelles Erfolgserlebnis verschafft. Die grundlegende Frage lautet: Was ist die natürliche Stärke Ihres Tieres? Ist es ein passionierter „Schnüffler“, ein geschickter „Pfoten-Benutzer“ oder ein cleverer „Problemlöser“?

Für Anfänger eignen sich besonders gut Spielzeuge, die auf dem natürlichen Suchinstinkt aufbauen. Ein Schnüffelteppich, in dem Trockenfutter oder Leckerlis versteckt werden, ist ein perfekter Einstieg. Er ist frustarm und belohnt die Hauptstärke vieler Tiere: ihre Nase. Eine weitere Kategorie sind einfache „Schiebe- und Hebespiele“. Hier muss das Tier mit der Schnauze oder Pfote einen Deckel verschieben oder anheben, um an eine Belohnung zu gelangen. Achten Sie auf robuste, schadstofffreie Materialien und eine Größe, die verhindert, dass Teile verschluckt werden können.

Eine der bekanntesten Marken, Nina Ottosson, hat dieses Prinzip perfektioniert und bietet ein System aus verschiedenen Schwierigkeitsstufen (Level 1 bis 4). Diese Spiele sind so konzipiert, dass sie unterschiedliche Lösungsstrategien erfordern – von einfachen Suchaufgaben bis hin zu komplexen, mehrstufigen Puzzles. Dieser gestufte Ansatz ist ideal, um die kognitive Flexibilität langsam aufzubauen, ohne das Tier zu überfordern. Der Schlüssel zum ersten Erfolg ist, ein Spiel zu wählen, dessen Lösungsweg fast selbsterklärend ist. Das Ziel ist ein freudiges „Aha!“-Erlebnis, nicht ein ratloses Aufgeben.

Hilfe, mein Tier gibt auf! Wie Sie Frustration bei Denkspielen vermeiden und die Motivation hochhalten

Es ist ein vertrauter Anblick: Voller Vorfreude präsentieren Sie das neue Denkspiel, doch nach wenigen erfolglosen Versuchen wendet sich Ihr Tier ab, beginnt zu gähnen oder verlässt den Raum. Frustration ist der größte Feind des spielerischen Lernens. Sie untergräbt nicht nur die Motivation für das aktuelle Spiel, sondern kann auch zukünftige Lernversuche erschweren. Der Schlüssel liegt darin, die Anzeichen von Stress frühzeitig zu erkennen und die Spielsituation so zu gestalten, dass Erfolg fast garantiert ist – ein Prinzip, das als „Errorless Learning“ (fehlerfreies Lernen) bekannt ist.

Achten Sie auf subtile Signale. Wie die Experten von hunde-spiele.eu betonen, sind Verhaltensweisen wie Gähnen, sich kratzen oder schütteln nicht immer Zeichen von Müdigkeit, sondern oft Übersprungshandlungen, die Stress anzeigen.

Hast du mal zu lange mit deiner Fellnase geübt, können Gähnen, sich Kratzen, Schütteln oder auch Niesen Anzeichen von Stress sein.

– Redaktion hunde-spiele.eu, 55 Hunde Spiele: Beschäftigung, Denkspiele, Schnüffelspiele für Hunde

Wenn Sie diese Signale bemerken, ist es Zeit für eine Pause. Das Ziel ist es, die Spiel-Session immer mit einem Erfolgserlebnis zu beenden, auch wenn das bedeutet, dass Sie den letzten Schritt für Ihr Tier lösen. Die Spielzeit sollte kurz sein: maximal 5-10 Minuten konzentrierter Kopfarbeit sind oft anstrengender als ein langer Spaziergang. Um die Motivation hochzuhalten, ist es entscheidend, die Schwierigkeit nur in winzigen Schritten zu erhöhen und bei ersten Anzeichen von Überforderung sofort wieder einen Schritt zurückzugehen.

Aktionsplan: Die Motivationskurve Ihres Tieres verstehen

  1. Startpunkt definieren: Beginnen Sie jede neue Spielsitzung mit der einfachsten, bereits bekannten Stufe, um ein sofortiges Erfolgserlebnis zu garantieren.
  2. Stress-Signale beobachten: Identifizieren Sie die persönlichen Stressanzeichen Ihres Tieres (z.B. Gähnen, Lippenlecken, Abwenden des Blicks) und legen Sie eine mentale „Basislinie“ fest.
  3. Schwierigkeit anpassen: Steigern Sie die Komplexität nur, wenn Ihr Tier entspannt und fokussiert ist. Reduzieren Sie sie sofort, wenn erste Stress-Signale auftreten.
  4. Ein „Reset“-Signal etablieren: Führen Sie ein klares Wort oder eine Geste ein (z.B. „Pause“ und eine offene Hand), das dem Tier signalisiert, dass der Druck vorbei ist und es durchatmen kann.
  5. Positiv beenden: Beenden Sie die Einheit immer mit einer leichten, lösbaren Aufgabe, sodass das Spiel in positiver Erinnerung bleibt, idealerweise bevor Ihr Tier von sich aus das Interesse verliert.

Gehirnjogging für Senioren: Wie Denkspiele Ihr altes Tier geistig fit halten

Wenn die Spaziergänge kürzer werden und die Gelenke zwicken, beginnt für viele ältere Tiere eine Phase der Unterforderung. Der Körper mag müde sein, doch der Geist ist oft noch wach und wissbegierig. Genau hier setzt Gehirnjogging für Senioren an. Angepasste Denkspiele sind eine wunderbare Möglichkeit, ältere Tiere geistig fit zu halten, ihre Lebensqualität zu steigern und sogar dem kognitiven Abbau entgegenzuwirken. Wie Experten des zooplus Magazins bestätigen, sind Intelligenzspiele eine Bereicherung für Hunde jeden Alters, aber besonders wertvoll für Senioren, die körperlich nicht mehr voll belastbar sind.

Die Art der Spiele muss jedoch sorgfältig an die veränderten Bedürfnisse angepasst werden. Eine der besten Beschäftigungen für ältere Tiere ist die Nasenarbeit. Der Geruchssinn bleibt oft bis ins hohe Alter exzellent, während Seh- und Hörvermögen nachlassen. Schnüffelspiele wie das klassische Hütchen-Spiel, ein Schnüffelteppich oder das Verstecken von Leckerlis in einem alten Handtuch sind gelenkschonend und mental extrem auslastend. Sie erlauben es dem Senior, seine Superkraft – die Nase – voll einzusetzen und Erfolgserlebnisse zu sammeln.

Älterer Hund beim konzentrierten Schnüffeln an einem Intelligenzspielzeug

Bei der Auswahl oder dem Bau von Spielzeug für Senioren sollten Sie auf größere, griffigere Elemente achten, die leicht mit der Schnauze oder einer etwas steifen Pfote bewegt werden können. Komplexe Mechanismen, die feine Motorik erfordern, sind oft frustrierend. Die Spieleinheiten sollten noch kürzer sein als bei jüngeren Tieren, um einer schnellen Ermüdung vorzubeugen. Es geht nicht um Leistung, sondern um sanfte Anregung und die Freude am gemeinsamen Tun. Dieses gezielte Gehirnjogging gibt dem alten Tier eine sinnvolle Aufgabe und stärkt das Gefühl, noch immer ein wichtiger und fähiger Teil der Familie zu sein.

Das 0-Euro-Denkspiel: Geniale Intelligenzspielzeuge aus Alltagsgegenständen selber machen

Hochwertige Intelligenzspielzeuge sind eine tolle Sache, aber mentale Stimulation muss nicht teuer sein. Ihr Haushalt ist eine wahre Fundgrube für geniale 0-Euro-Denkspiele. Mit etwas Kreativität können Sie aus Alltagsgegenständen und Verpackungsmüll fesselnde Herausforderungen für Ihr Tier basteln. Der große Vorteil: Sie können den Schwierigkeitsgrad perfekt anpassen und für unendliche Abwechslung sorgen, ohne einen Cent auszugeben. Ein leerer Eierkarton wird zum Schnüffel-Puzzle, eine alte Socke mit einem Leckerli drin zum Beutespiel oder eine leere Küchenpapierrolle, deren Enden zugefaltet werden, zur Futter-Rolle.

Eine einfache, aber wirkungsvolle Formel für endlose Spielvarianten lautet: Versteck + Hindernis + Aufgabe. Ein klassisches Beispiel ist das „Flaschendrehen“: Eine leere Plastikflasche (Hindernis) wird mit Leckerlis (Versteck) gefüllt und so auf einem Stab montiert, dass das Tier sie drehen muss (Aufgabe), damit die Belohnung herausfällt. Auch stabile Versandkartons, etwa von Zalando oder Otto, können zu einer spannenden „Versteck-Box“ mit mehreren Kammern und Öffnungen umfunktioniert werden. Wichtig bei allen DIY-Spielen ist die Sicherheit. Bevor Sie ein selbstgebasteltes Spielzeug anbieten, sollten Sie einen kurzen Sicherheitscheck durchführen:

  • Ungiftige Materialien: Verwenden Sie nur unbedrucktes Papier, Pappe und lebensmittelechte Verpackungen.
  • Keine Kleinteile: Achten Sie darauf, dass keine Teile abgebissen und verschluckt werden können.
  • Scharfe Kanten entfernen: Schneid- und Reißkanten an Plastikflaschen oder Kartons sollten geglättet werden.
  • Nur unter Aufsicht: Lassen Sie Ihr Tier mit DIY-Spielzeug, insbesondere aus Stoff oder Pappe, niemals unbeaufsichtigt.

Diese einfachen Upcycling-Ideen sind nicht nur nachhaltig und kostengünstig, sie ermöglichen es Ihnen auch, schnell herauszufinden, welche Art von Herausforderung Ihrem Tier am meisten Spaß macht, bevor Sie in ein teureres Spielzeug investieren.

Intelligenz-Boost für Zuhause: 5-Minuten-Denkspiele, die jedes Tier geistig fordern

Mentale Auslastung muss kein aufwendiges, zeitintensives Programm sein. Der größte Intelligenz-Boost entsteht durch kurze, aber regelmäßige Denkanstöße, die sich nahtlos in den Alltag integrieren lassen. Es geht darum, vom reinen „Trick-Training“ zum „Konzeptlernen“ überzugehen. Anstatt dem Hund beizubringen, auf Kommando einen *bestimmten* Gegenstand zu bringen, lehren Sie ihm das *Konzept* des Apportierens, das er dann auf verschiedene Objekte anwenden kann. Dieser Ansatz fördert die kognitive Flexibilität und die Fähigkeit, Gelerntes auf neue Situationen zu übertragen.

Integrieren Sie Mikro-Momente des Denkens in Ihre tägliche Routine. Während der Kaffee kocht, können Sie ein kurzes „Warte“-Spiel einlegen. Bevor Sie das Haus verlassen, machen Sie die Suche nach dem Schlüssel zu einem gemeinsamen Ritual. Etablieren Sie ein klares „Denk-Signal“ – zum Beispiel das Wort „Köpfchen!“ oder das Tippen mit dem Zeigefinger an die eigene Stirn –, um Ihrem Tier zu signalisieren, dass jetzt Kopfarbeit gefragt ist. Hier sind einige 5-Minuten-Ideen:

  • Das „Was ist anders?“-Spiel: Positionieren Sie drei bekannte Gegenstände in einer Reihe. Lassen Sie Ihr Tier kurz wegschauen und vertauschen Sie die Position von zwei Gegenständen oder ersetzen Sie einen. Belohnen Sie es, wenn es die Veränderung bemerkt (z.B. durch Anstupsen).
  • Konzept „Berühre mit der Pfote“: Halten Sie einen beliebigen Gegenstand (Buch, Tasse, Fernbedienung) hin und belohnen Sie Ihr Tier, sobald es ihn mit der Pfote berührt. Wiederholen Sie dies mit immer neuen Gegenständen.
  • Das Hütchen-Spiel: Verstecken Sie ein Leckerli unter einem von drei Bechern und lassen Sie Ihr Tier suchen.

Diese kurzen, spielerischen Einheiten sind mehr als nur Beschäftigung. Wie auch Experten von Josera bestätigen, stärken regelmäßige, gemeinsame Spieleinheiten die Bindung zwischen Mensch und Tier auf nachhaltige Weise. Sie schaffen eine gemeinsame Sprache und machen Sie zu einem spannenden Interaktionspartner, dessen Aufmerksamkeit sich lohnt.

Schluss mit dem langweiligen Napf: Wie Sie die Fütterung in ein spannendes Intelligenzspiel verwandeln

Für die meisten Haustiere ist die Fütterung der Höhepunkt des Tages – und gleichzeitig eine riesige, ungenutzte Chance für mentale Stimulation. Ein Napf, der in 30 Sekunden geleert wird, befriedigt zwar den Hunger, lässt den Kopf aber völlig unbeschäftigt. Dabei entspricht es dem natürlichen Verhalten vieler Tiere, für ihr Futter arbeiten zu müssen. Dieses Phänomen ist wissenschaftlich belegt und wird als „Contrafreeloading“ bezeichnet. Es besagt, dass viele Tiere es tatsächlich vorziehen, eine Aufgabe für ihre Nahrung zu lösen, anstatt sie kostenlos und ohne Aufwand zu erhalten.

Die Umstellung von der Napf-Fütterung zur „Arbeits-Fütterung“ ist der einfachste und effektivste Weg, tägliches Gehirnjogging zur Routine zu machen. Sie müssen dafür keine zusätzliche Zeit einplanen. Statt die volle Futterration in den Napf zu geben, verteilen Sie sie in einem Schnüffelteppich, einem Futterball oder einem selbstgebauten Spielzeug aus einem Eierkarton. Bei Katzen kann die Trockenfutterration in der Wohnung versteckt werden, sodass sie auf „Jagd“ gehen müssen. Nassfutter oder BARF lässt sich hervorragend in einem befüllbaren Spielzeug wie einem Kong oder auf einer LickiMat (Schleckmatte) anbieten, was die Fresszeit verlängert und gleichzeitig beruhigend wirkt.

Um die Stimulation hoch und die Langeweile niedrig zu halten, hat sich eine wöchentliche Rotation der Fütterungsmethoden bewährt. Dies fordert die kognitive Flexibilität Ihres Tieres, da es sich jeden Tag auf eine neue „Aufgabe“ einstellen muss. Die folgende Tabelle, inspiriert von Empfehlungen aus Fachmagazinen, zeigt ein Beispiel für eine solche Rotationswoche:

Beispiel einer Fütterungs-Rotation für maximale Stimulation
Wochentag Fütterungsmethode Futterart Schwierigkeitsgrad
Montag Schnüffelmatte Trockenfutter Einfach
Dienstag Futterball Trockenfutter Mittel
Mittwoch DIY-Spiel (Muffinform) Leckerlis Mittel
Donnerstag LickiMat Nassfutter Einfach
Freitag Großer Kong BARF Schwer
Samstag Versteckspiel im Raum Trockenfutter Mittel
Sonntag Normaler Napf (Pause) Alle

Ein Pausentag pro Woche, an dem es das Futter wieder im Napf gibt, kann die Vorfreude auf die „Arbeitstage“ sogar noch steigern. So wird jede Mahlzeit zu einer sinnvollen, artgerechten Beschäftigung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prozess vor Perfektion: Das Ziel von Denk-Sport ist nicht der fehlerfreie Ablauf, sondern die Förderung der selbstständigen Problemlösungskompetenz und des Selbstvertrauens Ihres Tieres.
  • Frustration ist ein Signal: Beobachten Sie die Körpersprache Ihres Tieres. Anzeichen von Stress (Gähnen, Kratzen) bedeuten, dass der Schwierigkeitsgrad zu hoch ist und angepasst werden muss.
  • Kombination ist der Schlüssel: Die effektivste Auslastung entsteht durch die Verbindung von körperlicher Koordination (Hobby-Agility) und gezielter Kopfarbeit (Denk- und Schnüffelspiele).

Das Flow-Prinzip für Ihr Tier: So finden Sie die perfekte Balance zwischen Action und Entspannung

Weder ständige Unterforderung noch andauernde Überforderung führen zu einem ausgeglichenen Tier. Der Idealzustand, den wir anstreben, ist der sogenannte „Flow-Zustand“. In diesem Zustand ist Ihr Tier vollkommen auf eine Aufgabe konzentriert, die es fordert, aber nicht überfordert. Es ist eine perfekte Balance, in der die Zeit zu verfliegen scheint und die Tätigkeit selbst zur Belohnung wird. Ihre Rolle als Trainingspartner ist die eines „Flow-Regulators“: Sie passen die Schwierigkeit der Aufgabe dynamisch an, wie ein DJ, der die Musik an die Stimmung der Tanzfläche anpasst.

Um diesen Zustand zu erkennen und zu fördern, müssen Sie die Körpersprache Ihres Tieres lesen lernen. Ein Tier im Flow ist fokussiert, aber nicht verkrampft. Die Ohren sind entspannt, der Blick konzentriert, aber weich, und die Rute wedelt oft in mittlerer Höhe. Es ignoriert unwichtige Umweltreize, weil die Aufgabe seine volle Aufmerksamkeit beansprucht. Anzeichen von Stress wie Hecheln ohne Anstrengung, eine steife Körperhaltung oder ein abgewandter Blick signalisieren hingegen, dass der Flow-Kanal verlassen wurde und die Aufgabe zu schwer ist.

  • Anzeichen für Flow: Weiche Ohren, fokussierter Blick ohne Starren, wedelnde Rute in mittlerer Höhe.
  • Anzeichen für Stress: Hecheln ohne körperliche Anstrengung, steife Körperhaltung, abgewandter Blick, häufiges Gähnen oder Kratzen.

Ein entscheidender, oft übersehener Teil des Flow-Prinzips ist die bewusste Entspannung. Nach jeder intensiven Denk- oder Bewegungseinheit ist ein Ritual zum „Herunterfahren“ unerlässlich. Dies verhindert Überstimulation und lehrt Ihr Tier, aktiv zwischen Anspannung und Entspannung umzuschalten. Selbst Profis wie der mehrfache Deutsche Meister im Agility, Daniel Schröder, betonen die Bedeutung strukturierter Entspannung. Wie er in seinen Grundlagenkursen lehrt, ist ein Entspannungsritual wie ruhiges Streicheln oder das Geben einer Kaustange nach dem Training genauso wichtig wie die Übung selbst. Diese Balance macht aus reiner Beschäftigung einen ganzheitlichen Denk-Sport, der Körper und Geist gleichermaßen nährt.

Das Verständnis für diesen ausbalancierten Zustand ist der fortgeschrittenste Aspekt des gemeinsamen Trainings. Um das Flow-Prinzip wirklich zu meistern, bedarf es Übung und genauer Beobachtung.

Beginnen Sie noch heute damit, die Fütterungszeit in ein Spiel zu verwandeln. Es ist der einfachste erste Schritt, um den Denk-Sport in Ihren Alltag zu integrieren und die Welt Ihres Tieres reicher und spannender zu gestalten.

Geschrieben von Tom Schröder, Tom Schröder arbeitet seit über 15 Jahren als Spezialist für Tierverhalten und ist ein anerkannter Experte für die Themen artübergreifende Kommunikation und die Lösung von Verhaltensauffälligkeiten. Seine Arbeit konzentriert sich auf die tieferen Ursachen tierischen Handelns und die menschliche Verantwortung in der Beziehung zum Tier.