
Naturschutzgebiete sind keine Freizeitparks für Menschen, sondern überlebenswichtige Heiligtümer für die Natur, in denen wir nur privilegierte Gäste sind.
- Der Hauptzweck dieser Gebiete ist nicht Erholung, sondern der Schutz fragiler Ökosysteme und bedrohter Arten.
- Die unsichtbare Arbeit von Forschern und Rangern erhält diese Paradiese am Leben, doch ihr Erfolg hängt von unserem respektvollen Verhalten ab.
Empfehlung: Betrachten Sie jeden Besuch als eine Chance, nicht nur zu geniessen, sondern auch aktiv zum Schutz beizutragen, indem Sie die Regeln als Ausdruck des Respekts vor den wahren Bewohnern verstehen und befolgen.
Wenn die Sonne morgens den Nebel über den Mooren lichtet oder ein seltener Vogelruf die Stille des Waldes durchbricht, spüren viele von uns eine tiefe Verbindung zur Natur. Wir suchen diese Orte auf, um zu wandern, durchzuatmen und die Schönheit der Landschaft zu geniessen. Doch oft sehen wir Naturschutzgebiete als eine Art Kulisse für unsere Freizeitaktivitäten – als Parks, die für uns da sind. Als jemand, der täglich in diesen Gebieten unterwegs ist, als ihr Hüter, möchte ich Sie einladen, die Perspektive zu wechseln. Diese Orte sind nicht primär für uns Menschen geschaffen. Sie sind die letzten Zufluchtsorte, die Arche Noahs unseres Planeten, in denen die Natur nach ihren eigenen, uralten Regeln spielt.
Vielleicht denken Sie, es genügt, den ausgeschilderten Wegen zu folgen und keinen Müll zu hinterlassen. Das ist die Grundlage, ja. Aber die wahre Bedeutung dieser Gebiete liegt viel tiefer. Es geht um das Verständnis für das fragile Gleichgewicht, das wir mit jedem Schritt beeinflussen können. Es geht um die Anerkennung der „unsichtbaren Arbeit“, die im Hintergrund geleistet wird, um Arten vor dem Aussterben zu bewahren und Lebensräume wiederherzustellen. Die eigentliche Frage ist nicht, was uns in diesen Gebieten erlaubt ist, sondern wie wir uns als verantwortungsvolle Gäste in einem Zuhause verhalten, das nicht unser eigenes ist. Dieser Artikel ist eine Einladung hinter die Kulissen, eine Erklärung aus dem Herzen dieser Schutzgebiete, die zeigt, warum sie für unsere gemeinsame Zukunft unverzichtbar sind und wie jeder von uns zu ihrem Beschützer werden kann.
In den folgenden Abschnitten werden wir gemeinsam die feinen Unterschiede zwischen verschiedenen Schutzgebieten verstehen, die goldenen Regeln des respektvollen Besuchs verinnerlichen und die entscheidende Rolle dieser „Inseln der Hoffnung“ im Kampf gegen das Artensterben beleuchten. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen.
Inhaltsverzeichnis: Eine Reise durch die Welt der Schutzgebiete
- Nationalpark oder Naturschutzgebiet? Die Unterschiede und was sie für Ihren Besuch bedeuten
- Zu Gast in der Wildnis: Die 10 Gebote für ein respektvolles Verhalten in Naturschutzgebieten
- Hinter den Kulissen des Paradieses: Die unsichtbare Arbeit, die ein Naturschutzgebiet am Leben erhält
- Das grüne Klassenzimmer: Wie Naturschutzgebiete uns wieder mit der Natur verbinden
- Urlaub, der Gutes tut: Wie sanfter Tourismus hilft, Naturschutzgebiete zu finanzieren
- Inseln der Hoffnung: Die entscheidende Rolle von Schutzgebieten im Kampf gegen das Aussterben
- Die stillen Todesfallen: 7 Gefahren in Ihrem Haus und Garten, die täglich Tiere töten
- Kleiner Aufwand, grosse Wirkung: Wie Sie zum aktiven Beschützer der Tierwelt vor Ihrer Haustür werden
Nationalpark oder Naturschutzgebiet? Die Unterschiede und was sie für Ihren Besuch bedeuten
Auf Ihren Wanderkarten und an den Eingängen zu Naturlandschaften sehen Sie oft verschiedene Schilder: „Nationalpark“, „Naturschutzgebiet“ oder „Biosphärenreservat“. Für viele Besucher sind das nur unterschiedliche Namen für „viel Grün“. Doch als Hüter dieser Flächen kann ich Ihnen sagen: Hinter diesen Begriffen verbergen sich fundamental unterschiedliche Schutzphilosophien, die auch Ihr Verhalten als Besucher direkt betreffen. In Deutschland gibt es laut aktuellen Daten über 9.000 Naturschutzgebiete, die rund 6,5 % der Landesfläche ausmachen. Diese schiere Zahl zeigt ihre immense Bedeutung.
Ein Naturschutzgebiet (NSG) wird eingerichtet, um einen ganz bestimmten Lebensraum oder eine bestimmte Artengemeinschaft zu erhalten. Hier greift der Mensch aktiv ein, zum Beispiel durch das Mähen von Orchideenwiesen oder die Pflege von Heidelandschaften, um diesen Zustand zu bewahren. Das Ziel ist die Erhaltung eines Status quo. Ein Nationalpark hingegen folgt dem Motto „Natur Natur sein lassen“. Hier steht der Prozessschutz im Vordergrund: Der Mensch zieht sich zurück und lässt die Natur sich ohne Einfluss entwickeln. Es ist ein Labor der Wildnis, in dem natürliche Prozesse wie Verfall und Neuentstehung ungestört ablaufen können. Diese Gebiete sind meist sehr grossflächig und unterliegen den strengsten Regeln.
Was bedeutet das für Sie? In einem Nationalpark betreten Sie eine Zone, in der die Natur absoluten Vorrang hat. Die Wegegebote sind hier besonders strikt, da jede Störung einen ungestörten, wissenschaftlich beobachteten Prozess beeinflussen kann. In einem NSG kann es ebenso strenge Regeln geben, die sich aber auf den Schutz eines spezifischen Gutes – etwa der Brutplätze seltener Vögel – konzentrieren. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Kernunterschiede, die laut einer vergleichenden Analyse von Schutzgebietstypen besonders relevant sind.
| Kriterium | Nationalpark | Naturschutzgebiet |
|---|---|---|
| Schutzziel | Prozessschutz – Natur ohne menschlichen Einfluss entwickeln lassen | Erhaltung von Lebensräumen und Arten |
| Durchschnittsgrösse | 30-332 km² (Jasmund bis Müritz) | Durchschnittlich 300 Hektar |
| Nutzungseinschränkungen | Keine wirtschaftliche Nutzung | Starke Nutzungseinschränkungen |
Zu Gast in der Wildnis: Die 10 Gebote für ein respektvolles Verhalten in Naturschutzgebieten
Der Titel verspricht „10 Gebote“, und es gibt tatsächlich viele Regeln, die je nach Gebiet variieren. Doch als Hüter dieser Landschaften möchte ich mich auf die wichtigsten konzentrieren, deren Einhaltung über das Wohl und Wehe ganzer Populationen entscheiden kann. Betrachten Sie diese Regeln nicht als Verbote, sondern als Hausordnung für das Wohnzimmer der Wildtiere. Wenn wir zu Gast in der Wildnis sind, ist es eine Frage des Anstands, sich an die Regeln der Gastgeber zu halten. Jede Abweichung vom Weg, jeder freilaufende Hund, jedes laute Geräusch ist eine Störung im fragilen Gleichgewicht.

Stellen Sie sich eine Wiesenweihe vor, die am Boden brütet. Sie ist für uns kaum sichtbar. Ein einziger Schritt abseits des Weges kann ihr Nest zerstören. Ein freilaufender Hund, der nur „spielen“ will, kann die Elterntiere so sehr verschrecken, dass sie ihr Gelege aufgeben. Die folgenden Punkte sind daher keine Schikanen, sondern essenzielle Schutzmassnahmen, die auf bitteren Erfahrungen beruhen:
- Bleiben Sie immer auf den Wegen: Pfade sind nicht nur zur Orientierung da. Sie sind eine klare Grenze zwischen unserer Welt und dem Lebensraum der Tiere. Das Verlassen der Wege zertrampelt seltene Pflanzen und zerstört die Kinderstuben störungs-empfindlicher Arten.
- Lassen Sie Ihren Hund an der Leine: Auch der friedlichste Hund hat einen Jagdinstinkt. Allein sein Geruch kann Wildtiere in Panik versetzen und sie aus ihren sicheren Rückzugsräumen vertreiben. Bodenbrüter und Jungtiere sind besonders gefährdet.
- Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit: Das ist eine Selbstverständlichkeit. Essensreste können Tiere anlocken und krank machen, Plastik wird zur tödlichen Falle. Das Motto lautet: Hinterlassen Sie nichts als Ihre Fussspuren.
- Zelten ist strengstens verboten: Wildcampen stört die nachtaktive Tierwelt massiv. Die Nacht ist die wichtigste Zeit für viele Tiere, um ungestört auf Nahrungssuche zu gehen. Unsere Anwesenheit bedeutet für sie purer Stress.
Hinter den Kulissen des Paradieses: Die unsichtbare Arbeit, die ein Naturschutzgebiet am Leben erhält
Wenn Sie durch eine blühende Heidelandschaft wandern oder den Flug eines Seeadlers bestaunen, wirkt die Natur oft unberührt und sich selbst überlassen. Doch dieser Eindruck täuscht. Viele dieser Paradiese existieren nur dank einer enormen, oft unsichtbaren Arbeit, die hinter den Kulissen stattfindet. Diese Arbeit ist eine Mischung aus Hightech-Wissenschaft, traditioneller Landschaftspflege und unermüdlichem Engagement von Rangern, Forschern und Freiwilligen. Ohne diese ständigen Bemühungen wären viele Lebensräume und Arten längst verschwunden.
Ein zentraler Bestandteil ist das Monitoring. Wir zählen Vogelbruten, kartieren Pflanzenvorkommen und analysieren Wasserproben. Diese Daten sind keine trockene Wissenschaft; sie sind das Fieberthermometer des Ökosystems. Sie sagen uns, ob unsere Massnahmen wirken oder ob wir gegensteuern müssen. Manchmal bedeutet Schutz auch aktives Eingreifen: Wir entfernen gebietsfremde Pflanzen, die heimische Arten verdrängen, oder legen neue Tümpel für Amphibien an. In anderen Fällen, wie bei der Heidschnuckenbeweidung in der Lüneburger Heide, setzen wir auf traditionelle Methoden, um eine einzigartige Kulturlandschaft zu erhalten, die sonst verbuschen würde.
Fallbeispiel: Rettung der Lachseeschwalbe im Wattenmeer
Ein eindrucksvolles Beispiel für diese unsichtbare Arbeit ist das Artenschutzprojekt für die Lachseeschwalbe. Laut der Nationalparkverwaltung Wattenmeer beherbergt das Gebiet die letzte Brutkolonie dieser vom Aussterben bedrohten Art in ganz Mitteleuropa. Um sie zu retten, wurde ein umfassendes Projekt mit Behörden, Stiftungen und Universitäten ins Leben gerufen. Durch gezielte Massnahmen wie die Optimierung von Brutinseln und den Schutz vor Fressfeinden wird versucht, das Überleben dieser eleganten Vögel zu sichern – eine mühsame Aufgabe, die Besucher selten zu Gesicht bekommen.
Diese Arbeit ist der Herzschlag der Schutzgebiete. Sie erfordert Geduld, Fachwissen und erhebliche finanzielle Mittel. Wenn wir diese Gebiete betreten, profitieren wir direkt von diesem Einsatz. Unser respektvolles Verhalten ist der kleinste, aber zugleich wichtigste Beitrag, um diese wertvolle Arbeit nicht zunichtezumachen.
Das grüne Klassenzimmer: Wie Naturschutzgebiete uns wieder mit der Natur verbinden
In unserer hochtechnisierten Welt verlieren wir oft den Bezug zur Natur. Wir kennen Tierarten aus Dokumentationen und Pflanzen aus dem Supermarkt. Naturschutzgebiete sind weit mehr als nur Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen; sie sind auch unersetzliche „grüne Klassenzimmer“ für uns Menschen. Sie bieten die seltene Gelegenheit, ökologische Zusammenhänge nicht nur theoretisch zu lernen, sondern mit allen Sinnen zu erleben. Hier können Kinder zum ersten Mal einen Frosch quaken hören oder den Unterschied zwischen einer Fichte und einer Tanne ertasten. Diese direkte Erfahrung schafft eine emotionale Verbindung, die kein Buch und kein Film ersetzen kann.
Diese Bildungsaufgabe ist ein zentraler Pfeiler der Arbeit in vielen Schutzgebieten. Rangergeführte Touren, Naturerlebnispfade und Besucherzentren sind keine reinen Touristenattraktionen. Sie sind sorgfältig konzipierte Werkzeuge, um Wissen zu vermitteln und für die Zerbrechlichkeit der Natur zu sensibilisieren. Wie Josef Schwaiger, Ratsvorsitzender und Landesrat von Salzburg, treffend formulierte, ist dies die Grundlage allen Schutzes:
Wir können nur achten und schützen, was wir kennen.
– Josef Schwaiger, Ratsvorsitzender und Landesrat von Salzburg
Dieses Kennenlernen geht über das reine Artenwissen hinaus. Es geht darum, Kreisläufe zu verstehen. Warum ist Totholz im Wald kein „Abfall“, sondern ein wertvoller Lebensraum für Insekten und Pilze? Warum ist eine unscheinbare Sumpfdotterblume ein wichtiger Indikator für sauberes Wasser? In Schutzgebieten wird die Natur zum Lehrer und wir zu ihren Schülern. Diese Lernerfahrung ist entscheidend, denn sie verwandelt passive Besucher in bewusste Botschafter des Naturschutzes. Wer einmal die Komplexität eines Ökosystems begriffen hat, wird eher bereit sein, sich für dessen Erhalt einzusetzen – auch im eigenen Alltag.
In manchen Gebieten, wie dem Nationalpark Hohe Tauern, werden seit Jahrzehnten akribisch Daten gesammelt. Seit 2002 wurden dort 600.000 Datensätze zu über 11.000 Arten erfasst. Solche Projekte zeigen, dass drei Viertel aller Moos-Arten und zwei Drittel aller Brutvögel Österreichs dort ihre Heimat finden – ein Wissensschatz, der ohne Schutzgebiete undenkbar wäre.
Urlaub, der Gutes tut: Wie sanfter Tourismus hilft, Naturschutzgebiete zu finanzieren
Die Vorstellung, dass Tourismus und Naturschutz im Widerspruch zueinander stehen, ist weit verbreitet. Einerseits verursacht ein hoher Besucherandrang Stress für die Ökosysteme, andererseits sind viele Schutzgebiete auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Die Lösung liegt im Konzept des sanften Tourismus: eine Form des Reisens, die die Natur respektiert und gleichzeitig die lokale Gemeinschaft und die Schutzprojekte finanziell unterstützt. Wenn er richtig gelenkt wird, kann Ihr Urlaub zu einem aktiven Beitrag für den Erhalt dieser Paradiese werden.
Wie funktioniert das? Ein Teil der Einnahmen aus Parkgebühren, Führungen oder dem Verkauf in Besucherzentren fliesst oft direkt zurück in die Finanzierung der Schutzmassnahmen. Damit wird die unsichtbare Arbeit des Monitorings, der Landschaftspflege und der Forschung erst möglich gemacht. Wenn Sie einen zertifizierten Naturführer buchen, unterstützen Sie nicht nur eine Person, die Ihnen die Geheimnisse der Region näherbringt, sondern auch ein System, das auf Nachhaltigkeit und Bildung setzt. Der Kauf regionaler Produkte in Hofläden am Rande des Schutzgebiets stärkt die lokale Wirtschaft und schafft Akzeptanz für den Naturschutz in der Bevölkerung.
Die Herausforderung besteht darin, den Besucherstrom so zu lenken, dass empfindliche Bereiche geschont werden. Dies geschieht durch klare Wegführung, saisonale Sperrungen von Brutgebieten und limitierte Zugangsmöglichkeiten. Ihr Beitrag als Tourist besteht darin, diese Lenkungssysteme zu respektieren und zu verstehen, dass sie dem Schutz des höchsten Gutes dienen. Ein nachhaltiger Naturtourismus erfordert ein Umdenken:
- Wegegebote strikt beachten: Nutzen Sie ausschliesslich die gekennzeichneten Wege, um die Störung der Tierwelt zu minimieren.
- Leinenpflicht für Hunde einhalten: In einigen Gebieten gilt sogar ein komplettes Hundeverbot, um störungsempfindliche Arten zu schützen.
- Besucherlenkungssysteme respektieren: Beachten Sie Absperrungen und Hinweisschilder. Sie dienen nicht dazu, Sie zu ärgern, sondern schützen oft unsichtbare Schätze wie seltene Pflanzen oder Bodenbrüter.
- Lokal konsumieren: Bevorzugen Sie regionale Produkte und buchen Sie lokale Naturführer, um die Wertschöpfung in der Region zu halten.
Inseln der Hoffnung: Die entscheidende Rolle von Schutzgebieten im Kampf gegen das Aussterben
In einer Welt, in der Lebensräume in alarmierendem Tempo schwinden, sind Schutzgebiete mehr als nur schöne Landschaften. Sie sind zu letzten Festungen geworden, zu „Inseln der Hoffnung“ für unzählige Arten, die anderswo keinen Platz mehr finden. Hier können sich Populationen erholen, genetische Vielfalt bewahrt und das Überleben von Arten gesichert werden, die sonst dem Aussterben geweiht wären. Diese Gebiete sind das Rückgrat des globalen Artenschutzes.
Die Effektivität dieser Schutzinseln ist wissenschaftlich belegt. Ein beeindruckendes Beispiel ist der Nationalpark Schwarzwald. Eine Untersuchung belegt dort eine erstaunliche Artenvielfalt: Auf nur einem Prozent der Landesfläche von Baden-Württemberg leben fast 30 % aller Artengruppen des Bundeslandes. Das zeigt, welche immense Bedeutung grossflächige, ungestörte Gebiete haben. Sie sind Konzentrationspunkte der Biodiversität.

Für viele Spezialisten unter den Tieren sind diese Gebiete die einzige Überlebenschance. Nehmen wir den Dreizehenspecht, eine Art, die auf grossflächige Nadelwälder mit viel Totholz angewiesen ist. Solche Bedingungen findet er in den bewirtschafteten Forsten kaum noch. Im Nationalpark Schwarzwald jedoch, wo Bäume sterben und liegen bleiben dürfen, konnte sich seine Population stabilisieren. Dieses Beispiel zeigt: Artenschutz braucht Raum. Kleine, isolierte Schutzgebiete reichen oft nicht aus, um überlebensfähige Populationen von anspruchsvollen oder weit wandernden Arten zu erhalten. Daher ist auch die Vernetzung dieser Inseln durch Wildtierkorridore und Biotopverbünde eine der grössten Herausforderungen für den Naturschutz der Zukunft.
Erfolgsgeschichte: Der Dreizehenspecht im Schwarzwald
Der vom Aussterben bedrohte Dreizehenspecht ist ein Paradebeispiel für die Wichtigkeit von Prozessschutz. Er benötigt alte, totholzreiche Nadelwälder als Lebensraum und Nahrungsquelle. Diese findet er in den meisten Wirtschaftswäldern nicht mehr. Im Nationalpark Schwarzwald, wo der Wald sich selbst überlassen wird, hat der Specht eine Zuflucht gefunden und seine Population konnte sich stabilisieren. Ein klarer Beweis, dass das Zulassen natürlicher Prozesse aktiver Artenschutz ist.
Die stillen Todesfallen: 7 Gefahren in Ihrem Haus und Garten, die täglich Tiere töten
Der Schutz der Natur endet nicht an den Grenzen eines Naturschutzgebietes. Unsere Gärten, Balkone und sogar unsere Häuser sind Teil des Ökosystems und können für viele Tiere zu unerwarteten Todesfallen werden. Während wir uns Sorgen um grosse Umweltprobleme machen, übersehen wir oft die stillen Gefahren direkt vor unserer Haustür. Mit wenigen Handgriffen können wir diese Fallen entschärfen und unseren privaten Raum zu einem sichereren Ort für die Tierwelt machen. Der Titel spricht von sieben Gefahren; konzentrieren wir uns auf einige der häufigsten und am einfachsten zu behebenden.
Eine der grössten Gefahren sind Glasscheiben. Fensterscheiben und Wintergärten spiegeln den Himmel oder die Vegetation wider und werden von Vögeln nicht als Hindernis erkannt. Millionen Vögel sterben jährlich durch Kollisionen. Eine weitere Falle sind offene Wasserquellen. Regentonnen ohne Deckel, steilwandige Gartenteiche oder sogar gefüllte Giesskannen werden zur tödlichen Falle für Insekten, Igel und Vögel, die hineinfallen und nicht mehr herauskommen. Schliesslich ist der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden verheerend. Was Schnecken und Blattläuse tötet, vergiftet auch Nützlinge wie Bienen, Schmetterlinge und die Vögel, die diese Insekten fressen.
Die gute Nachricht ist: Jeder kann hier Abhilfe schaffen. Es braucht oft keine grossen Investitionen, sondern nur ein wenig Aufmerksamkeit und Wissen. Die folgenden Punkte sind ein erster Schritt, um Ihren Garten zu einem kleinen Refugium zu machen.
Ihr Plan zum Schutz von Gartentieren: Die ersten Schritte
- Vogelschlagschutz anbringen: Bekleben Sie grosse Glasflächen mit vertikalen Streifen, Mustern oder speziellen Folien. Einzelne Greifvogel-Aufkleber sind meist wirkungslos.
- Wasserstellen sicher gestalten: Legen Sie in alle Wasserbehälter, Teiche und sogar Vogeltränken einen Stein oder ein Brett als Ausstiegshilfe für ertrinkende Insekten und Kleintiere.
- Auf Pestizide verzichten: Setzen Sie auf natürliche Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge. Verzichten Sie insbesondere auf Produkte mit Glyphosat und Neonikotinoiden.
- Laubhaufen liegen lassen: Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke des Gartens ist ein Fünf-Sterne-Hotel für Igel, Kröten und unzählige Insekten, die hier überwintern.
- Heimische Pflanzen wählen: Pflanzen Sie heimische Wildblumen, Sträucher und Bäume. Sie bieten die beste Nahrungsquelle und den idealen Lebensraum für lokale Insekten- und Vogelarten.
Das Wichtigste in Kürze
- Naturschutzgebiete sind keine Freizeitparks, sondern lebenswichtige Rückzugsräume, in denen die Natur Vorrang hat.
- Respektvolles Verhalten (auf Wegen bleiben, Hunde anleinen) ist keine Schikane, sondern aktiver Schutz für störungsempfindliche Arten und Ökosysteme.
- Artenschutz findet nicht nur in Reservaten statt – auch im eigenen Garten können wir durch einfache Massnahmen wie Vogelschlagschutz und den Verzicht auf Pestizide Leben retten.
Kleiner Aufwand, grosse Wirkung: Wie Sie zum aktiven Beschützer der Tierwelt vor Ihrer Haustür werden
Nach dieser Reise durch die Welt der Schutzgebiete wird eines klar: Diese Paradiese sind verletzlich. Der Druck durch den Klimawandel, die Umweltverschmutzung und die Zerstörung von Lebensräumen ist immens. Der Waldzustandsbericht 2024 offenbart, dass nur noch 21 % der Bäume in Deutschland gesund sind – ein alarmierendes Zeichen für den Stress, dem unsere Ökosysteme ausgesetzt sind. Es ist leicht, sich angesichts dieser Zahlen ohnmächtig zu fühlen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Jeder Einzelne von uns kann und muss Teil der Lösung werden.
Ihre Rolle als Beschützer beginnt nicht erst mit einem politischen Mandat oder einer grossen Spende. Sie beginnt mit Ihrer Haltung. Wenn Sie ein Naturschutzgebiet betreten und sich bewusst als respektvoller Gast verhalten, sind Sie bereits ein aktiver Schützer. Wenn Sie einem Freund erklären, warum es so wichtig ist, auf dem Weg zu bleiben, werden Sie zum Botschafter. Wenn Sie in Ihrem eigenen Garten eine Blühwiese für Bienen anlegen, schaffen Sie eine kleine Trittstein-Insel, die das grosse Netzwerk der Natur stärkt.
Die grösste Wirkung entfalten wir gemeinsam. Engagieren Sie sich in lokalen Naturschutzgruppen, nehmen Sie an Pflegeeinsätzen teil oder unterstützen Sie die Arbeit der Schutzgebiete durch eine Patenschaft. Vor allem aber: Geben Sie Ihr Wissen und Ihre Begeisterung weiter. Nehmen Sie Ihre Kinder, Freunde und Familie mit nach draussen und zeigen Sie ihnen die Wunder, die es zu schützen gilt. Denn die emotionale Verbindung, die durch gemeinsame Naturerlebnisse entsteht, ist der stärkste Motor für langfristiges Engagement. Jeder Spaziergang, jede Beobachtung und jede kleine Tat zählt. Werden Sie vom stillen Geniesser zum aktiven Hüter.
Beginnen Sie noch heute damit. Ihr nächster Ausflug in die Natur kann der erste Schritt sein, nicht nur als Besucher, sondern als bewusster Teil des Schutzkonzepts. Beobachten, lernen und handeln Sie – für die Zukunft dieser letzten Paradiese und für uns alle.