
Die größte Hürde im Tiertraining ist nicht der Mangel an Zeit, sondern die falsche Vorstellung davon, was Training sein sollte.
- Kurze, tägliche 5-Minuten-Einheiten sind effektiver als lange, unregelmäßige Sessions, da sie die Konzentration des Tieres optimal nutzen.
- Der Fokus verlagert sich von reinem Gehorsam hin zu einem freudvollen Kommunikationsspiel, das die Bindung und das gegenseitige Verständnis stärkt.
Empfehlung: Ersetzen Sie eine lange wöchentliche Trainingseinheit durch tägliche 5-minütige „Beziehungsrituale“, um die Kooperationsfreude Ihres Tieres zu wecken und den Trainingsfrust für immer zu beenden.
Fühlt sich das Training mit Ihrem vierbeinigen Partner manchmal wie eine lästige Pflicht an? Eine endlose Wiederholung von „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“, die mehr Frustration als Freude bringt? Viele Tierhalter in Deutschland, wo laut Statistik über 34 Millionen Haustiere in den Haushalten leben, kennen dieses Gefühl. Man investiert Zeit und Geduld, doch die Fortschritte scheinen minimal und die anfängliche Begeisterung weicht einer zähen Routine. Die gängigen Ratschläge sind bekannt: konsequent sein, positiv bestärken und bloß nicht aufgeben. Doch diese Tipps kratzen nur an der Oberfläche eines viel tiefer liegenden Missverständnisses.
Die meisten von uns betrachten Training als einen Prozess, bei dem wir dem Tier etwas beibringen – einen Befehl, einen Trick, ein gewünschtes Verhalten. Aber was wäre, wenn die wahre Magie nicht im Ergebnis, sondern im Prozess selbst liegt? Was, wenn wir das Training nicht als Unterricht, sondern als Dialog verstehen? Die Revolution im modernen Tiertraining liegt nicht in neuen, komplizierten Techniken, sondern in einer radikalen Vereinfachung: der Kraft von täglichen 5-Minuten-Einheiten. Es geht darum, das Training aus dem starren Korsett geplanter Sessions zu befreien und es zu einem täglichen, freudvollen Beziehungsritual zu machen. Einem kurzen, intensiven Kommunikationsspiel, das nicht nur das Verhalten formt, sondern vor allem die Bindung vertieft und das gegenseitige Vertrauen stärkt.
Dieser Artikel wird Ihnen zeigen, wie Sie diesen Wandel vollziehen. Wir werden die wissenschaftlichen und psychologischen Prinzipien aufdecken, die diese kurzen „Mikro-Impulse“ so wirkungsvoll machen. Sie werden lernen, häufige Fehler zu vermeiden, die selbst die besten Absichten sabotieren, und entdecken, wie Sie Training in jeden Bereich Ihres gemeinsamen Lebens integrieren – vom Tierarztbesuch bis zum täglichen Spaziergang. Es ist an der Zeit, das Leckerli-Werfen hinter sich zu lassen und die wahre Kraft positiver Verstärkung zu entfesseln: die Schaffung einer tieferen, kooperativeren und freudvolleren Partnerschaft mit Ihrem Tier.
Für alle, die visuell lernen oder ein tieferes Verständnis für die Ursachen von Trainingsfrust entwickeln möchten, bietet das folgende Video einen ausgezeichneten Einblick in die Dynamik der Frustrationstoleranz bei Hunden. Es ergänzt die hier vorgestellten Prinzipien perfekt, indem es zeigt, was passiert, wenn die Kommunikation scheitert.
Um die Prinzipien hinter diesem beziehungsorientierten Ansatz vollständig zu verstehen, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Jede Sektion baut auf der vorherigen auf und führt Sie Schritt für Schritt von den Grundlagen der positiven Kommunikation bis hin zur meisterhaften Anwendung im Alltag.
Inhaltsverzeichnis: Die Kunst des 5-Minuten-Trainings
- Klick und Belohnung: Die Magie des Clicker-Trainings einfach erklärt
- Warum Ihr Training scheitert: Die 5 größten Fehler, die Sie unbewusst machen
- Immer auf dem Höhepunkt aufhören: Die Psychologie des perfekten Trainingsabschlusses
- Training für den Ernstfall: Wie Sie Ihrem Tier beibringen, beim Tierarzt freiwillig mitzumachen
- Bringen Sie Ihr Tier auf eigene Ideen: Die faszinierende Welt des „Free Shaping“
- Wenn Leckerlis nicht mehr wirken: Die 5 häufigsten Fehler im positiven Training und wie Sie sie korrigieren
- Vom Leckerli zur Lebensfreude: Wie Sie Belohnungen im Training schrittweise abbauen
- Die Kraft des „Ja!“: Warum positive Verstärkung mehr ist als nur Leckerli-Werfen
Klick und Belohnung: Die Magie des Clicker-Trainings einfach erklärt
Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihrem Tier punktgenau in der Sekunde, in der es das Richtige tut, sagen: „Ja, genau das!“ Genau diese Funktion erfüllt der Clicker. Er ist kein magisches Werkzeug, sondern ein hochpräzises Kommunikationsinstrument. Das Prinzip ist denkbar einfach: Das „Klick“-Geräusch wird zu einem Marker-Signal, das ein ganz bestimmtes Verhalten markiert. Unmittelbar nach dem Klick folgt eine Belohnung (z.B. ein Leckerli). Das Tier lernt extrem schnell: Klick = Belohnung kommt. Dadurch wird der Klick selbst zu einem Versprechen und einem sekundären Verstärker.
Der entscheidende Vorteil gegenüber einem verbalen Lob wie „Fein!“ ist die Geschwindigkeit und Eindeutigkeit. Ein Klick ist immer gleich, emotionslos und vor allem blitzschnell. Er überbrückt die kritische Zeitspanne zwischen der gewünschten Aktion des Tieres und dem Moment, in dem Sie die Belohnung überreichen können. So versteht Ihr Tier exakt, für welches Verhalten es belohnt wird – sei es ein kurzer Blick zu Ihnen, das Anheben einer Pfote oder ein ruhiges Stehenbleiben. Sie verwandeln das Training von einem vagen Raten in ein klares Kommunikationsspiel.
Die erste Stufe, die sogenannte Konditionierung, dauert oft nur wenige Minuten. Sie klicken und geben sofort ein Leckerli, ohne dass das Tier etwas dafür tun muss. Dies wiederholen Sie 10-15 Mal. Die meisten Tiere verstehen das Prinzip in einer einzigen, kurzen Einheit. Sobald Ihr Tier beim Klick-Geräusch erwartungsvoll zu Ihnen schaut, ist die Verknüpfung hergestellt. Von nun an haben Sie ein mächtiges Werkzeug in der Hand, um selbst komplexe Verhaltensweisen in winzige, lernbare Schritte zu zerlegen und die Kooperationsfreude Ihres Tieres zu wecken.
Diese Klarheit legt den Grundstein für jede weitere Interaktion und hilft, viele der häufigsten Trainingsfehler von vornherein zu vermeiden.
Warum Ihr Training scheitert: Die 5 größten Fehler, die Sie unbewusst machen
Selbst mit den besten Absichten kann Training zu Frust führen. Meist liegt es nicht am Tier, sondern an unbewussten Fehlern, die die Kommunikation stören und Stress verursachen. Der größte Fehler ist die Dauer der Einheiten. Viele Halter glauben, „mehr ist mehr“, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Konzentrationsspanne eines Tieres ist begrenzt. Eine intensive, erfolgreiche 5-Minuten-Einheit ist weitaus wertvoller als 20 Minuten voller Missverständnisse und Frust. Insbesondere bei jungen Welpen sollten die Trainingseinheiten laut Experten maximal zwei Minuten nicht überschreiten.
Ein weiterer häufiger Fehler ist das Ignorieren von Stresssignalen. Gähnen, Hecheln, sich über die Nase lecken oder den Blick abwenden sind keine Zeichen von Sturheit, sondern von Überforderung. Wer diese feinen Signale übersieht, trainiert gegen eine Wand aus Unbehagen und sabotiert das Vertrauen des Tieres.

Die Abbildung zeigt deutlich, wie subtil diese Zeichen sein können. Anstatt den Druck zu erhöhen, ist es in solchen Momenten entscheidend, einen Schritt zurückzutreten oder die Einheit zu beenden. Weitere typische Fehler sind:
- Falsches Timing: Die Belohnung kommt zu spät, und das Tier verknüpft sie mit dem falschen Verhalten. Der Clicker löst dieses Problem, aber nur bei korrekter Anwendung.
- Ablenkungsreiches Umfeld: Im Wohnzimmer klappt „Sitz“ perfekt, aber draußen im Park scheint alles vergessen. Das Training muss schrittweise an ablenkungsreichere Umgebungen angepasst werden.
- Inkonsistente Signale: Mal wird ein Handzeichen verwendet, mal ein Wort, mal beides zusammen. Das verwirrt das Tier. Entscheiden Sie sich für ein klares Signal und bleiben Sie dabei.
Ein zentrales Element dabei ist nicht nur, wie Sie trainieren, sondern auch, wie Sie eine Trainingseinheit beenden.
Immer auf dem Höhepunkt aufhören: Die Psychologie des perfekten Trainingsabschlusses
Haben Sie sich jemals gefragt, warum eine spannende Serie oft mit einem Cliffhanger endet? Dieses Prinzip, bekannt als der Zeigarnik-Effekt, besagt, dass wir uns an unvollendete Aufgaben besser erinnern als an abgeschlossene. Genau diesen psychologischen Kniff können wir uns im Tiertraining zunutze machen. Der größte Anreiz für die nächste Trainingseinheit entsteht, wenn die letzte mit einem großen Erfolg und dem Gefühl „Ich will mehr!“ endet. Beenden Sie das Training nicht, wenn Ihr Tier müde oder frustriert ist, sondern wenn es gerade eine Aufgabe brillant gemeistert hat.
Dieser positive Abschluss sorgt dafür, dass Ihr Tier das Training als Ganzes positiv abspeichert und sich auf die nächste „Runde“ freut. Es verwandelt die Übung von einer Aufgabe in ein begehrtes Spiel. Wenn Sie immer erst dann aufhören, wenn die Konzentration nachlässt oder Fehler auftreten, verknüpft Ihr Tier das Ende des Trainings mit Versagen oder Erschöpfung. Die Motivation für das nächste Mal sinkt rapide.
Ein häufiges Missverständnis in diesem Zusammenhang sind die sogenannten „wilden 5 Minuten“ nach dem Training. Viele Halter interpretieren dies als überschäumende Freude. Tatsächlich ist es oft ein Ventil für aufgestauten Stress oder Überforderung. Das Tier war über seine Konzentrationsgrenze hinaus gefordert und entlädt nun die angestaute Energie. Wenn Ihr Hund also regelmäßig nach dem Üben aufdreht, ist das ein klares Signal dafür, die Einheiten zu verkürzen und konsequent mit einem Erfolgserlebnis zu beenden, bevor die Überforderung einsetzt. Ruhe ist kein Luxus – sie ist ein essenzieller Teil des Trainingsprozesses, um das Gelernte zu verarbeiten.
Diese Fähigkeit, positive Erfahrungen zu schaffen, ist nirgendwo wichtiger als bei der Vorbereitung auf potenziell stressige Situationen wie den Tierarztbesuch.
Training für den Ernstfall: Wie Sie Ihrem Tier beibringen, beim Tierarzt freiwillig mitzumachen
Für viele Tiere und ihre Halter ist der Besuch in der Tierarztpraxis purer Stress. Festhalten, unangenehme Untersuchungen und eine fremde Umgebung können Angst und Abwehrreaktionen auslösen. Doch das muss nicht sein. Mit „Medical Training“ oder kooperativer Pflege können Sie Ihrem Tier beibringen, Untersuchungen nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv und freiwillig daran teilzunehmen. Dies ist der ultimative Ausdruck von Vertrauen und Kooperationsfreude, aufgebaut durch kurze, positive Trainingseinheiten zu Hause.
Der Schlüssel liegt darin, die einzelnen Prozeduren in winzige, angstfreie Schritte zu zerlegen. Anstatt das Tier zu überraschen, kündigen Sie jede Handlung an und belohnen seine Kooperation. Das Ziel ist es, dass das Tier jederzeit die Kontrolle behält und „Nein“ sagen kann, indem es sich einfach abwendet. Dieser Respekt vor seinen Grenzen baut massives Vertrauen auf. Das Konzept, bei dem Tiere lernen, freiwillig an medizinischen Prozeduren teilzunehmen, wird selbst in Zoos und in der Ausbildung von Tiermedizinstudenten erfolgreich eingesetzt, um den Stress für alle Beteiligten zu minimieren.

Die folgende Tabelle gibt einen einfachen Überblick, wie Sie mit nur wenigen Minuten pro Tag beginnen können. Der Ansatz ist für alle Tierarten von Hund über Katze bis Kaninchen anwendbar. Wichtig ist, immer weit unter der Reizschwelle des Tieres zu bleiben.
| Trainingsbereich | Übungsschritte | Zeitaufwand |
|---|---|---|
| Stethoskop-Toleranz | Zeigen, Berühren, Aufsetzen | 5 Min/Tag |
| Pfotenkontrolle | Berührung, Anheben, Festhalten | 5 Min/Tag |
| Gewichtsmessung | Auf Waage stehen, Stillhalten | 5 Min/Tag |
Dieser Ansatz, bei dem das Tier zum aktiven Partner wird, führt uns direkt zu einer der kreativsten und faszinierendsten Trainingsmethoden: dem „Free Shaping“.
Bringen Sie Ihr Tier auf eigene Ideen: Die faszinierende Welt des „Free Shaping“
Was wäre, wenn Ihr Tier nicht nur Befehle ausführt, sondern selbst kreativ wird und Lösungen anbietet? Willkommen in der Welt des „Free Shaping“ (freies Formen). Anders als beim „Luring“, wo das Tier mit einem Leckerli in eine Position gelockt wird, geht es beim Shaping darum, kleinste Verhaltensansätze in die gewünschte Richtung zu belohnen. Man wartet, bis das Tier von sich aus etwas anbietet, und „fängt“ dieses Verhalten mit dem Clicker ein. Es ist ein faszinierendes Kommunikationsspiel, das die Intelligenz und Problemlösefähigkeit des Tieres enorm fördert.
Ein klassisches Beispiel ist das Beibringen, auf eine Decke zu gehen. Anstatt den Hund auf die Decke zu locken, belohnen Sie (klicken und füttern) jeden Schritt, der in die richtige Richtung geht:
- Der Hund schaut die Decke an. Klick/Belohnung.
- Der Hund macht einen Schritt in Richtung Decke. Klick/Belohnung.
- Der Hund berührt die Decke mit einer Pfote. Klick/Belohnung.
- Der Hund betritt die Decke mit zwei Pfoten. Klick/Belohnung.
Dieser Prozess lehrt das Tier, zu denken und auszuprobieren. Es lernt, dass sein eigenes Handeln zu Erfolg führt, was das Selbstvertrauen ungemein stärkt. Wie Josera Petfood es formuliert: Man kann demselben Kommando dem Hund auch beibringen, indem man sein eigenes Denken anregt.
Diese Methode ist nicht nur auf Hunde beschränkt. Gerade bei Tierarten wie Katzen, die oft als weniger „trainierbar“ gelten, kann Free Shaping wahre Wunder wirken. Da die Katze das Gefühl hat, die Ideen selbst zu entwickeln, steigt ihre Kooperationsfreude signifikant. Es erfordert Geduld vom Halter, aber das Ergebnis ist ein Tier, das nicht nur ein Verhalten gelernt hat, sondern gelernt hat, wie man lernt.
Wenn du deiner Samtpfote kleine Tricks oder Kunststücke beibringen willst, benötigst du viel Geduld und effektive Strategien. Schließlich hat jede Katze ganz eigene Vorstellungen von Kooperation. […] Das Clickertraining gehört dazu.
Doch selbst bei den besten Methoden kann es vorkommen, dass das Hauptmotivationsmittel, das Leckerli, seine Wirkung zu verlieren scheint.
Wenn Leckerlis nicht mehr wirken: Die 5 häufigsten Fehler im positiven Training und wie Sie sie korrigieren
„Mein Hund ist nicht futtermotiviert.“ Diesen Satz hören Tiertrainer oft. In 99 % der Fälle liegt das Problem jedoch nicht am Hund, sondern an der Anwendung der Belohnung. Wenn Leckerlis ihre Wirkung verlieren, stecken oft simple, aber entscheidende Fehler dahinter. Der häufigste Fehler ist, wie bereits erwähnt, das Timing. Der Hund kann den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Belohnung nur innerhalb eines extrem kurzen Zeitfensters herstellen. Experten geben an, dass diese Verbindung nur innerhalb von etwa einer halben Sekunde hergestellt werden kann. Ein Klick, der eine Sekunde zu spät kommt, markiert bereits ein anderes Verhalten.
Weitere Gründe für scheinbar mangelndes Interesse sind:
- Zu geringwertige Belohnung: Ein trockenes Futterbröckchen mag im ruhigen Wohnzimmer funktionieren, konkurriert aber draußen nicht mit dem Duft eines anderen Hundes. Die Wertigkeit der Belohnung muss der Schwierigkeit der Aufgabe und dem Ablenkungslevel angepasst sein.
- Sättigung: Wenn der Hund gerade gefressen hat oder die Trainingseinheit zu lang ist, ist der Magen voll und die Motivation sinkt.
- Vorhersehbarkeit: Das Tier weiß genau, wann und wofür es ein Leckerli gibt. Die Belohnung verliert ihren Überraschungseffekt und damit an Wert.
- Unbewusste Bestrafung: Manchmal folgt auf die Belohnung etwas Unangenehmes für das Tier, z.B. wird es nach dem erfolgreichen Rückruf sofort angeleint. Das Tier lernt: „Kommen bedeutet Ende des Spaßes.“
Die Lösung liegt oft darin, das Konzept der Belohnung zu erweitern. Nicht nur Futter ist eine Belohnung. Alles, was Ihr Tier gerne tut, kann als Verstärker dienen. Dies wird als Premack-Prinzip bezeichnet: Eine wahrscheinlichere Aktivität (z.B. Schnüffeln) verstärkt eine weniger wahrscheinliche Aktivität (z.B. ruhig an der Leine gehen). Die Möglichkeiten sind endlos und fördern ein viel natürlicheres Beziehungsritual.
Ihr Plan für abwechslungsreiche Belohnungen: Alternativen zu Futter
- Erlaubnis zum Schnüffeln an beliebten Markierstellen als Belohnung für Leinenführigkeit.
- Ein kurzes, wildes Spiel mit dem Lieblingsspielzeug nach einer erfolgreichen Konzentrationsübung.
- Freigabe für kontrolliertes Graben an einer dafür vorgesehenen Stelle im Garten.
- Das Öffnen der Haustür als Belohnung für ein ruhiges „Sitz“, bevor es nach draußen geht.
- Erlaubnis zur sozialen Interaktion mit einem bekannten Hund als Verstärkung für einen gelungenen Rückruf.
Sobald ein Verhalten zuverlässig gezeigt wird, stellt sich die Frage, wie man die ständige Futtergabe wieder reduzieren kann, ohne den Erfolg zu gefährden.
Das Wichtigste in Kürze
- Training ist kein Befehlstraining, sondern ein Kommunikationsritual, das die Beziehung stärkt.
- Tägliche 5-Minuten-Einheiten sind effektiver und motivierender als lange, sporadische Sessions.
- Positive Verstärkung bedeutet mehr als nur Leckerlis; es geht darum, Verhalten durch alles zu belohnen, was das Tier schätzt.
Vom Leckerli zur Lebensfreude: Wie Sie Belohnungen im Training schrittweise abbauen
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Clickertraining dazu führt, dass man sein Leben lang mit einem Beutel Leckerlis herumlaufen muss. Das Ziel ist jedoch das genaue Gegenteil: ein Tier, das auch ohne ständige Futterbelohnung kooperiert. Der Schlüssel dazu liegt im schrittweisen und intelligenten Abbau der Belohnungen, einem Prozess, der als variable Verstärkung bezeichnet wird. Sobald Ihr Tier ein Verhalten zuverlässig auf Signal zeigt (z.B. in 8 von 10 Fällen), beginnen Sie, nicht mehr jeden einzelnen Erfolg zu belohnen.
Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem Spielautomaten: Man weiß nie, bei welchem Versuch der Gewinn kommt, also spielt man weiter. Sie beginnen, nur noch die besten oder schnellsten Ausführungen des Verhaltens zu belohnen. Mal gibt es für „Sitz“ eine Belohnung, mal nicht. Dann vielleicht erst nach dem dritten Mal. Diese Unvorhersehbarkeit macht die Belohnung wieder aufregend und wertvoll. Das Verhalten wird dadurch nicht schwächer, sondern paradoxerweise sogar stärker und widerstandsfähiger gegen das Ausbleiben einer Belohnung.
Parallel dazu beginnen Sie, immer mehr „echte“ Lebensbelohnungen in das Training zu integrieren, wie wir sie im vorherigen Abschnitt besprochen haben. Das ruhige Warten an der Tür wird nicht mit einem Keks, sondern mit dem Öffnen der Tür belohnt. Ein schneller Rückruf im Park wird mit der Freigabe zum Weiterspielen mit einem Hundekumpel verstärkt. So wird das gewünschte Verhalten selbst zum Schlüssel für die Dinge, die das Tier wirklich will. Das Training löst sich vom Leckerli und wird zu einem integralen Bestandteil des gemeinsamen Alltags – zur reinen Lebensfreude.
Am Ende dieses Prozesses steht eine Erkenntnis, die weit über das reine Verhaltenstraining hinausgeht.
Die Kraft des „Ja!“: Warum positive Verstärkung mehr ist als nur Leckerli-Werfen
Wenn wir alle Techniken – den Clicker, das Timing, die variablen Belohnungen – betrachten, enthüllt sich ein übergeordnetes Prinzip: Positive Verstärkung ist keine simple Methode, sondern eine grundlegende Haltung. Es ist die Entscheidung, sich auf das zu konzentrieren, was richtig läuft, anstatt das Falsche zu bestrafen. Jede 5-Minuten-Einheit wird so zu einem Beziehungsritual, in dem wir unserem Tier unzählige Male sagen: „Ja, das ist es!“, „Ja, ich verstehe dich!“, „Ja, wir sind ein Team!“ Dieser ständige Fokus auf den Erfolg baut Selbstvertrauen, Kreativität und vor allem eine tiefe, vertrauensvolle Bindung auf.
Der Klick des Clickers ist dabei das schnellste und klarste „Ja!“, das wir geben können. Wie das edogs Magazin treffend bemerkt, erfolgt der Click wesentlich schneller als andere Belohnungsformen und wird rein positiv verknüpft. Diese Klarheit in der Kommunikation minimiert Frustration auf beiden Seiten der Leine. Das Tier muss nicht mehr raten, was von ihm erwartet wird, sondern kann aktiv nach Wegen suchen, um dieses positive Feedback zu erhalten. Es wird vom passiven Befehlsempfänger zum aktiven, denkenden Partner.
Letztendlich geht es nicht darum, einen perfekt gehorchenden „Roboter“ zu erschaffen. Es geht darum, eine so starke und positive Kommunikationsbasis zu schaffen, dass Ihr Tier sich in jeder Situation vertrauensvoll an Ihnen orientiert. Die 5-Minuten-Einheiten sind die Bausteine dieses Vertrauens. Sie sind die tägliche Dosis gemeinsamer Erfolgserlebnisse, die die Beziehung widerstandsfähig, flexibel und freudvoll machen. Sie beweisen, dass die Qualität der gemeinsamen Zeit immer über die Quantität siegt.
Beginnen Sie noch heute damit, eine dieser kurzen, freudvollen Einheiten in Ihren Alltag zu integrieren, und beobachten Sie, wie sich nicht nur das Verhalten Ihres Tieres, sondern Ihre gesamte Beziehung verwandelt.
Häufig gestellte Fragen zum 5-Minuten-Training
Wie lange sollte eine Trainingseinheit dauern?
Für Grundkommandos sind zweimal täglich etwa 15 Minuten ein guter Richtwert. Kürzere, aber häufigere Einheiten sind oft effektiver, da sich die meisten Tiere nicht länger als 15 Minuten am Stück konzentrieren können.
Wann sollte ich das Training beenden?
Beenden Sie die Einheit immer auf dem Höhepunkt, nach einem Erfolg. Wenn Ihr Tier die Aufmerksamkeit verliert, sich wegdreht oder unruhig wird, ist es höchste Zeit für eine Pause. Dies sind Zeichen von Überforderung, nicht von Ungehorsam.
Wann kann ich mit dem Abbau von Leckerlis beginnen?
Sobald Ihr Tier das Prinzip einer Übung verstanden hat und das Verhalten zuverlässig zeigt, können Sie beginnen. Belohnen Sie dann nicht mehr jede Wiederholung, sondern nur noch besonders gute oder schnelle Ausführungen, um die Motivation hochzuhalten.
Funktioniert Clickertraining auch bei Welpen?
Absolut! Welpen lernen besonders schnell und können die Verbindung zwischen dem Klickgeräusch und der Belohnung meist rasch herstellen. Es ist eine sehr effektive Methode, um von Anfang an Grundkommandos und Stubenreinheit auf eine positive Weise zu trainieren.