
Die harte Wahrheit ist: Übergewicht bei Haustieren ist keine Form von Liebe, sondern eine hausgemachte Krankheit, die Sie als Halter aktiv verursachen und beenden müssen.
- Objektive Diagnose ist der erste Schritt: Vergessen Sie die Waage und nutzen Sie den Body Condition Score (Rippen-Test), um den wahren Zustand Ihres Tieres zu erkennen.
- Erfolg basiert auf einer unbestechlichen Kalorien-Bilanz, nicht auf vagen „FDH“-Versuchen. Die Futtermenge muss exakt berechnet und Leckerlis müssen eingepreist werden.
- Mentale Stärke ist entscheidend: Dem Bettelblick zu widerstehen, ist kein Akt der Grausamkeit, sondern der größte Liebesbeweis für ein langes, gesundes Tierleben.
Empfehlung: Beginnen Sie noch heute mit dem Rippen-Test. Dieser Leitfaden gibt Ihnen den wissenschaftlich fundierten Plan an die Hand, um die Kontrolle zurückzugewinnen und Ihrem Tier Jahre an Lebensqualität zu schenken.
Jeder liebevolle Blick, jedes sanfte Streicheln, jedes zusätzliche Leckerli – wir drücken unsere Zuneigung zu unseren Tieren auf vielfältige Weise aus. Doch in diesem Meer aus guten Absichten lauert eine Gefahr, die oft übersehen, verharmlost und als „Wohlstandsspeck“ abgetan wird: Übergewicht. Viele Besitzer sehen ein paar Pfunde zu viel nicht als Problem, sondern als Zeichen, dass es dem Tier gut geht. Sie haben vielleicht schon versucht, „einfach etwas weniger zu füttern“, sind aber am klagenden Blick ihres Vierbeiners gescheitert.
Doch was, wenn die wahre Ursache des Scheiterns nicht ein zu weiches Herz, sondern ein falscher Ansatz ist? Was, wenn die entscheidende Erkenntnis lautet: Übergewicht ist keine harmlose Begleiterscheinung, sondern eine ernsthafte, hausgemachte Krankheit, die die Lebensfreude und -dauer Ihres Tieres drastisch verkürzt. Die Lösung liegt nicht in vagen Diät-Versuchen, sondern in einem unbestechlichen, wissenschaftlich fundierten Plan, der Sie als Halter in die volle Verantwortung nimmt. Es ist an der Zeit, die Rolle des liebenden Verpflegers abzulegen und die des strengen, aber fairen Gesundheits-Coaches anzunehmen.
Dieser Artikel ist Ihr Trainingsplan. Er konfrontiert Sie mit der ungeschminkten Wahrheit, gibt Ihnen aber auch die Werkzeuge an die Hand, um diesen Kampf zu gewinnen. Wir werden gemeinsam lernen, den Zustand Ihres Tieres objektiv zu beurteilen, die wahren Kalorienbomben zu entlarven, einen präzisen Ernährungs- und Bewegungsplan zu erstellen und – am wichtigsten – die mentale Stärke zu entwickeln, um konsequent zu bleiben. Denn jedes „Nein“ zu einem unnötigen Leckerli ist ein klares „Ja“ zu mehr gesunden und glücklichen gemeinsamen Jahren.
Um die Gesundheit Ihres Tieres systematisch wiederherzustellen, führt dieser Leitfaden Sie durch die entscheidenden Schritte – von der ehrlichen Diagnose bis zur nachhaltigen Umsetzung im Alltag. Der folgende Inhalt bietet Ihnen einen klaren Fahrplan für diese wichtige Mission.
Sommaire : Ihr Fahrplan zur Befreiung Ihres Tieres aus der Übergewichts-Falle
- Jedes Gramm zu viel ist ein Risiko: Die schleichende Gefahr des Übergewichts bei Haustieren
- Rippen-Test statt Waage: So erkennen Sie objektiv, ob Ihr Tier zu dick ist
- Wie viel Futter braucht mein Tier wirklich? Eine Anleitung zur exakten Bedarfsermittlung
- Die versteckten Kalorienbomben: Wo sich die wahren Dickmacher im Alltag Ihres Tieres verbergen
- Die erfolgreiche Diät: Ein Schritt-für-Schritt-Plan für eine gesunde Gewichtsreduktion
- Runter vom Sofa: Wie Sie Bewegung gezielt als Fettkiller einsetzen
- Der unwiderstehliche Bettelblick: Wie Sie standhaft bleiben, wenn Ihr Tier um mehr Futter bittet
- Die hausgemachten Leiden: Wie Sie Ihr Tier vor den häufigsten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Arthrose schützen
Jedes Gramm zu viel ist ein Risiko: Die schleichende Gefahr des Übergewichts bei Haustieren
Hören wir auf, es zu beschönigen: Übergewicht bei Haustieren ist keine Lappalie, sondern eine stille Epidemie. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt, dass 52 % der Hunde und Katzen in Deutschland zu dick sind. Das bedeutet, dass jeder zweite Halter unwissentlich die Gesundheit seines treuesten Begleiters aufs Spiel setzt. Dieses zusätzliche Gewicht ist keine harmlose „Polsterung“, sondern eine tickende Zeitbombe für den Organismus. Es belastet Gelenke, Herz und Stoffwechsel und ebnet den Weg für eine ganze Reihe schmerzhafter und teurer Krankheiten.
Die Konsequenzen sind brutal und messbar. Wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen, verkürzt sich die Lebenserwartung bei übergewichtigen Hunden kleiner Rassen wie Yorkshire Terriern um fast drei Jahre. Das sind drei Jahre voller gemeinsamer Spaziergänge, Kuschelstunden und Erlebnisse, die Sie durch falsche Fütterung verlieren. Doch nicht nur die Lebenszeit, auch die Lebensqualität leidet massiv. Chronische Schmerzen durch Arthrose, ständige Müdigkeit und die Unfähigkeit, sich frei zu bewegen, werden zum traurigen Alltag.
Neben dem emotionalen Leid hat das „hausgemachte Leiden“ auch erhebliche finanzielle Folgen. Die Behandlung von Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Herzproblemen kann schnell mehrere hundert Euro pro Monat kosten. Prävention ist hier nicht nur die liebevollere, sondern auch die weitaus günstigere Alternative, wie die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht.
| Aspekt | Kosten Übergewicht | Kosten Prävention |
|---|---|---|
| Diabetes-Behandlung | 150-300€/Monat | Diätfutter: 20-40€/Monat extra |
| Arthrose-Therapie | 100-200€/Monat | Regelmäßige Gewichtskontrolle: kostenlos |
| Herzmedikamente | 50-150€/Monat | Bewegungsprogramm: 0€ |
| Lebenserwartung | -2 bis -3 Jahre | +15% Lebenszeit bei idealem Gewicht |
Die Zahlen lügen nicht. Die Entscheidung, das Gewichtsproblem Ihres Tieres zu ignorieren, ist eine Entscheidung für ein kürzeres, schmerzhafteres und teureres Leben. Der erste Schritt zur Umkehr ist eine ehrliche und objektive Bestandsaufnahme.
Rippen-Test statt Waage: So erkennen Sie objektiv, ob Ihr Tier zu dick ist
Die Zahl auf der Waage kann trügerisch sein. Muskelmasse, Knochenbau und Rasseunterschiede verzerren das Bild. Als Ihr Coach sage ich Ihnen klar: Vertrauen Sie nicht der Waage, vertrauen Sie Ihren Händen. Die einzig verlässliche Methode zur Beurteilung des Körperzustands ist der Body Condition Score (BCS), ein wissenschaftliches Bewertungssystem, das auf der sicht- und fühlbaren Fettabdeckung über den Rippen basiert. Diese Methode liefert eine unbestechliche Diagnose, frei von subjektiven Einschätzungen wie „er ist nur kräftig gebaut“.
Das System verwendet in der Regel eine 9-Punkte-Skala, bei der ein Wert von 4 oder 5 das Idealgewicht darstellt. Wie wissenschaftliche Studien von Purina zeigen, entspricht jede Zahl über 5 auf dieser Skala bereits einem Übergewicht von 10-15 %. Ein Tier mit einem BCS von 7/9 trägt also bereits 20-30 % zu viel Gewicht mit sich herum – eine massive Belastung für den gesamten Körper. Ihre Aufgabe ist es, diesen objektiven Wert zu ermitteln und als Ausgangspunkt für Ihren Plan zu nutzen.
Sie müssen dafür kein Experte sein. Mit einer einfachen Tastuntersuchung, dem sogenannten Rippen-Test, können Sie den BCS Ihres Tieres selbst einschätzen. Seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst. Das Ergebnis mag unangenehm sein, aber es ist der notwendige erste Schritt zur Rettung der Gesundheit Ihres Tieres. Die folgende Anleitung führt Sie durch diesen Prozess.
Ihr Plan zur objektiven Diagnose: Der Rippen-Test
- Rippen ertasten: Legen Sie Ihre Hände flach auf den Brustkorb Ihres Tieres. Bei Idealgewicht spüren Sie die Rippen leicht unter einer dünnen Fettschicht, ohne Druck ausüben zu müssen – ähnlich wie bei Ihren Fingerknöcheln.
- Blick von oben: Betrachten Sie Ihr Tier von oben stehend. Sie sollten hinter den Rippen eine deutlich sichtbare, sanduhrförmige Taille erkennen. Fehlt diese, ist das ein klares Warnsignal.
- Seitenansicht prüfen: Schauen Sie Ihr Tier von der Seite an. Die Bauchlinie sollte von den Rippen zum Becken hin leicht ansteigen und nicht gerade verlaufen oder gar durchhängen.
- Ergebnis bewerten: Sind die Rippen nur mit festem Druck oder gar nicht mehr fühlbar (BCS 7-9), liegt eindeutiges Übergewicht vor. Eine Fettschicht wie auf Ihrem Handrücken ist ideal; eine Schicht wie auf Ihrer Handfläche ist zu viel.
- Plan festlegen: Dokumentieren Sie das Ergebnis. Dies ist Ihr Ausgangspunkt. Von hier aus werden Sie Woche für Woche Fortschritte machen, die Sie motivieren werden.
Nach dieser schonungslosen, aber notwendigen Diagnose wissen Sie, wo Sie stehen. Der nächste logische Schritt ist, die wichtigste Variable in der Gewichts-Gleichung zu verstehen: die Futtermenge.
Wie viel Futter braucht mein Tier wirklich? Eine Anleitung zur exakten Bedarfsermittlung
Einer der größten Fehler, den Halter machen, ist, sich blind auf die Fütterungsempfehlungen auf der Verpackung zu verlassen. Diese sind oft nur grobe Richtwerte für ein durchschnittliches, unkastriertes Tier mit normaler Aktivität. Ihr Tier ist aber ein Individuum. Alter, Rasse, Aktivitätslevel und vor allem der Kastrationsstatus haben einen enormen Einfluss auf den tatsächlichen Kalorienbedarf.
Dr. Julia Fritz, eine Fachtierärztin für Tierernährung, bringt es auf den Punkt, wie sie im ZDF erklärte:
Fütterungsempfehlungen auf Fertigfutter sind nicht einheitlich und Leckerlis werden bei den Angaben nicht miteinberechnet.
– Dr. Julia Fritz, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik
Das bedeutet: Wenn Sie sich an die Packungsangabe halten und zusätzlich Leckerlis geben, ist eine Überfütterung praktisch vorprogrammiert. Ein besonders kritischer Faktor ist die Kastration. Wie die tiermedizinische Forschung zeigt, dass kastrierte Tiere aufgrund hormoneller Veränderungen einen um 20 bis 30 Prozent geringeren Kalorienbedarf haben. Ignorieren Sie diese Tatsache, wird Ihr Tier unweigerlich zunehmen.
Die korrekte Vorgehensweise ist eine präzise Bedarfsermittlung. Die Basis dafür ist nicht das aktuelle Gewicht, sondern das Idealgewicht, das Sie zusammen mit Ihrem Tierarzt festlegen. Nur auf Basis dieses Zielgewichts kann die tägliche Kalorienmenge für die Diätphase exakt berechnet werden. Das erfordert Disziplin und Rechnen, aber es ist der einzige Weg, der zuverlässig zum Erfolg führt. Vergessen Sie das Schätzen und fangen Sie an zu messen. Wiegen Sie die Futterration für jeden Tag grammgenau ab. Jedes Gramm zählt in der Kalorien-Bilanz.
Doch selbst bei perfekt abgewogener Hauptmahlzeit lauert die Gefahr oft im Verborgenen. Es ist Zeit, die versteckten Dickmacher in Ihrem Alltag aufzudecken.
Die versteckten Kalorienbomben: Wo sich die wahren Dickmacher im Alltag Ihres Tieres verbergen
Die sorgfältig abgewogene Hauptmahlzeit ist oft nur die halbe Wahrheit. Die wahren Saboteure jeder Diät sind die kleinen „Sünden“ zwischendurch: das Stückchen Käse vom Frühstückstisch, der getrocknete Kauknochen am Abend oder die Trainingsleckerlis beim Spaziergang. Viele Halter unterschätzen systematisch die enorme Kaloriendichte dieser Extras. Ein einziger Schweineohr-Snack kann für einen kleinen Hund bereits die Hälfte seines Tagesbedarfs an Kalorien decken. Diese Kalorienbomben müssen radikal aus dem Speiseplan gestrichen oder – falls unverzichtbar – von der Tagesration abgezogen werden.

Wie die Abbildung zeigt, sind viele handelsübliche Leckerlis hochverarbeitet und fettreich. Es ist Ihre Aufgabe als Coach, diese Verführer zu identifizieren und zu eliminieren. Ersetzen Sie sie durch gesunde, kalorienarme Alternativen wie ein Stück Karotte, Gurke oder einen speziellen Diät-Snack. Die Regel ist einfach: Nichts geht am abgewogenen Futterplan vorbei. Jede Ausnahme torpediert den Erfolg und verlängert das Leiden Ihres Tieres.
Die tragischen Folgen dieser unkontrollierten Fütterung zeigen sich immer wieder in den Tierheimen. Ein erschütterndes Beispiel ist die Geschichte von Kater Charly, der mit einem lebensbedrohlichen Gewicht ins Tierschutz-Zentrum kam.
Fallbeispiel: Das Schicksal von Kater Charly
Kater Charly kam mit schockierenden 13 Kilogramm Körpergewicht ins aktion tier Tierheim Meißen. Er war so fettleibig, dass er nicht einmal mehr auf die Couch springen konnte und seine Bewegung auf wenige, mühsame Schritte beschränkt war. Sein Leben bestand nur noch aus Fressen und Liegen. Nur durch eine streng überwachte, tierärztliche Diät und ein behutsames Bewegungsprogramm hatte er überhaupt eine Chance, dem fast sicheren Tod zu entkommen. Sein Fall ist eine drastische Mahnung, wohin „gut gemeinte“ Fütterung führen kann.
Nachdem wir die Probleme nun klar benannt haben, ist es an der Zeit für den konkreten Lösungsplan. So sieht eine erfolgreiche, gesunde Gewichtsreduktion in der Praxis aus.
Die erfolgreiche Diät: Ein Schritt-für-Schritt-Plan für eine gesunde Gewichtsreduktion
Eine erfolgreiche Diät ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der in klaren Phasen verläuft. Radikale „Friss-die-Hälfte“-Methoden (FDH) sind nicht nur ineffektiv, sondern gefährlich. Sie führen zu Nährstoffmangel, Muskelabbau und dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt. Als Coach Ihres Tieres setzen Sie auf einen wissenschaftlich fundierten Ansatz. Die Basis dafür ist eine moderate Kalorienreduktion: Wie tierärztliche Studien empfehlen, liegt die Energiezufuhr bei 55-70 % des Bedarfs für das *Idealgewicht*. Dies stellt sicher, dass Ihr Tier Fett und nicht wertvolle Muskelmasse abbaut.
Das Ziel ist eine langsame, aber stetige Gewichtsabnahme von 1-2 % des Körpergewichts pro Woche. Alles, was schneller geht, ist ungesund und nicht nachhaltig. Ein 40 kg schwerer Hund sollte also pro Woche etwa 400-800 g abnehmen. Dokumentieren Sie das Gewicht wöchentlich zur gleichen Zeit, um den Fortschritt objektiv zu verfolgen. Diese kleinen Erfolge sind entscheidend für Ihre Motivation.
Die Umstellung auf ein spezielles Diätfutter ist oft sinnvoll, da es bei reduziertem Kaloriengehalt alle wichtigen Nährstoffe enthält und durch einen höheren Faseranteil besser sättigt. Der gesamte Prozess lässt sich in drei überschaubare Phasen gliedern:
- Phase 1 – Die Umstellung (7-10 Tage): Stellen Sie das Futter nicht abrupt um. Mischen Sie über eine Woche lang das neue Diätfutter in steigender Menge unter das alte Futter. So vermeiden Sie Magen-Darm-Probleme und gewöhnen Ihr Tier an den neuen Geschmack.
- Phase 2 – Die Reduktion (mehrere Wochen/Monate): Dies ist die Kernphase. Füttern Sie die exakt berechnete Menge des Diätfutters, verteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten, um Hungergefühle zu minimieren. Leckerlis sind tabu oder werden von der Tagesration abgezogen. Regelmäßige Gewichtskontrollen beim Tierarzt sind Pflicht, um den Plan bei Bedarf anzupassen.
- Phase 3 – Die Erhaltung (lebenslang): Ist das Idealgewicht erreicht, beginnt die schwierigste Phase: die Gewichtserhaltung. Die Futtermenge wird leicht erhöht, aber bleibt streng kontrolliert. Bewegung und regelmäßige Gewichtskontrollen werden zum festen Bestandteil Ihres gemeinsamen Lebens. Sie haben den Gipfel erreicht, jetzt müssen Sie dort bleiben.
Doch Futter ist nur eine Seite der Medaille. Die andere, ebenso wichtige Komponente im Kampf gegen die Pfunde ist gezielte Bewegung.
Runter vom Sofa: Wie Sie Bewegung gezielt als Fettkiller einsetzen
Bewegung ist mehr als nur ein Mittel gegen Langeweile – sie ist ein aktiver Fettkiller. Doch gerade bei übergewichtigen Tieren ist Vorsicht geboten. Die bereits überlasteten Gelenke dürfen nicht durch exzessives Toben oder abrupte Sprints weiter geschädigt werden. Das Motto lautet: moderat, regelmäßig und gelenkschonend. Beginnen Sie langsam. Verlängern Sie die täglichen Spaziergänge zunächst nur um wenige Minuten und steigern Sie Dauer und Intensität allmählich, immer unter Beobachtung der Reaktion Ihres Tieres.
Besonders effektiv und sicher sind Bewegungsformen, die den Kalorienverbrauch ankurbeln, ohne die Gelenke zu belasten. Wie Tierarzthelferin Jade betont, ist Schwimmen hier eine ideale Option. Das Wasser trägt das Gewicht des Körpers und ermöglicht ein anstrengendes, aber sicheres Training. Viele Tierphysiotherapie-Praxen oder spezielle Hundeschwimmbäder in Deutschland bieten hierfür die perfekten Bedingungen.

Neben dem reinen Ausdauertraining ist auch die geistige Auslastung ein wichtiger Faktor. Intelligente Bewegung verbrennt ebenfalls Kalorien und stärkt gleichzeitig die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Tier. Verstecken Sie Futterbälle oder veranstalten Sie Suchspiele im Garten oder in der Wohnung. Statt das Futter im Napf zu servieren, lassen Sie Ihr Tier dafür arbeiten. Jede Bewegung, die das Tier vom Sofa holt, ist ein Sieg. Seien Sie kreativ und finden Sie Aktivitäten, die Ihnen beiden Spaß machen.
Sie haben nun einen Plan für Futter und Bewegung. Doch die größte Herausforderung ist oft eine psychologische: der Kampf gegen den klagenden Blick Ihres Tieres.
Der unwiderstehliche Bettelblick: Wie Sie standhaft bleiben, wenn Ihr Tier um mehr Futter bittet
Dies ist der Moment, in dem die meisten Diätpläne scheitern. Ihr Tier sitzt vor Ihnen, legt den Kopf schief und schaut Sie mit seinen großen, traurigen Augen an. Dieser „Bettelblick“ ist eine über Jahrtausende perfektionierte Überlebensstrategie, die direkt auf unser Fürsorgezentrum zielt. Nachzugeben fühlt sich wie ein Akt der Liebe an, doch als Coach Ihres Tieres müssen Sie die Wahrheit erkennen: In diesem Moment ist Nachgeben ein Akt der Schwäche, der die Gesundheit Ihres Tieres untergräbt.
Sie müssen lernen, dieses Verhalten zu managen. Zuerst: Füttern Sie Ihr Tier nicht vom Tisch und idealerweise nicht, während Sie selbst essen. So entsteht gar nicht erst die Verknüpfung. Wenn gebettelt wird, ist Ignoranz die stärkste Waffe. Schauen Sie nicht hin, sprechen Sie nicht mit dem Tier, stehen Sie notfalls auf und verlassen Sie den Raum. Jede Form von Aufmerksamkeit, selbst ein „Nein!“, kann als Belohnung missverstanden werden.
Eine brillante Perspektive dazu kommt von einer Expertin, die täglich mit den Folgen von Übergewicht konfrontiert ist:
Ein ‚Nein‘ zum Keks ist ein ‚Ja‘ zu mehr gemeinsamen, gesunden Jahren.
– Linda Dlugaj, aktion tier Tierschutzzentrum Meißen
Prägen Sie sich diesen Satz ein. Er ist Ihr Mantra. Anstatt eines kalorienreichen Leckerlis bieten Sie eine Alternative an: eine ausgiebige Streicheleinheit, eine kurze Spieleinheit oder ein kalorienarmes „Legales Leckerli“ wie ein Stück Gurke oder Karotte. Sie ersetzen die Futter-Belohnung durch eine Aufmerksamkeits-Belohnung. Das erfordert anfangs eiserne Disziplin, aber Ihr Tier wird lernen, dass Betteln nicht mehr zum Erfolg führt. Sie durchbrechen einen Teufelskreis und etablieren eine neue, gesündere Form der Kommunikation.
Wenn Sie diese mentale Hürde meistern, haben Sie nicht nur ein Gewichtsproblem gelöst, sondern Ihr Tier aktiv vor einem Leben voller Leid geschützt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wahrheit liegt in Ihren Händen: Der Body Condition Score (Rippen-Test) ist die einzig verlässliche Methode, um Übergewicht objektiv zu diagnostizieren – nicht die Waage.
- Kalorien-Bilanz ist unbestechlich: Erfolg hängt von der exakten Berechnung des Bedarfs basierend auf dem Idealgewicht ab, nicht von vagen Schätzungen. Jedes Leckerli zählt.
- Widerstand ist Liebe: Dem Bettelblick standzuhalten ist kein Akt der Grausamkeit, sondern der größte Liebesbeweis für ein langes, gesundes und schmerzfreies Leben Ihres Tieres.
Die hausgemachten Leiden: Wie Sie Ihr Tier vor den häufigsten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Arthrose schützen
Wir haben nun den Weg von der Diagnose über den Diätplan bis zur mentalen Stärke skizziert. Der rote Faden, der sich durch all diese Schritte zieht, ist eine einzige, fundamentale Erkenntnis: Die Verantwortung liegt bei Ihnen. Krankheiten wie Diabetes, schmerzhafte Arthrose, Herz-Kreislauf-Probleme und sogar bestimmte Krebsarten sind bei Haustieren oft keine schicksalhaften Launen der Natur, sondern direkte Folgen von chronischem Übergewicht – und damit hausgemacht.
Jedes Mal, wenn Sie unkontrolliert füttern, legen Sie einen weiteren Grundstein für dieses Leiden. Indem Sie jedoch die Kontrolle übernehmen, den Futterplan exakt einhalten und für angemessene Bewegung sorgen, werden Sie zum wichtigsten Schutzschild Ihres Tieres. Sie verhindern nicht nur die Entstehung dieser Zivilisationskrankheiten, sondern können bei bestehenden Leiden wie Arthrose die Symptome oft dramatisch lindern. Weniger Gewicht bedeutet weniger Belastung für die Gelenke und somit weniger Schmerz.
Professionelle Hilfe ist dabei keine Schande, sondern ein Zeichen von Stärke. Institutionen wie die Medizinische Kleintierklinik der LMU in München, die mit ihrer Idealgewicht-Sprechstunde Pionierarbeit in Deutschland leistet, zeigen, dass Sie mit diesem Problem nicht allein sind. Die erfolgreiche Behandlung von Patienten wie Mops Sir Henry beweist, dass selbst in schwierigen Fällen eine Umkehr möglich ist. Nutzen Sie die Expertise Ihres Tierarztes. Er ist Ihr wichtigster Verbündeter und Coach auf diesem Weg.
Der Weg aus der Übergewichts-Falle ist eine langfristige Verpflichtung, die Disziplin und Liebe erfordert. Aber es ist der lohnendste Weg, den Sie für Ihren treuen Begleiter einschlagen können. Ergreifen Sie jetzt die Initiative. Beginnen Sie mit dem Rippen-Test, erstellen Sie einen Plan und setzen Sie ihn konsequent um. Die Gesundheit und Lebensfreude, die Sie Ihrem Tier damit zurückgeben, ist die größte Belohnung von allen.